Zungenband durchtrennen - ja oder nein?
- Linda Gorzelitz

- 14. Feb.
- 3 Min. Lesezeit
Warum ich nicht jedes Zungenband sofort trenne und was mir in der Begleitung von Familien wirklich wichtig ist
Wenn Eltern sich bei mir melden, haben sie oft schon einen langen Weg hinter sich. Stillprobleme, Schmerzen, Unsicherheit und irgendwann fällt der Begriff „verkürztes Zungenband“. Nicht selten steht dann sehr schnell eine Frage im Raum: „Muss das Zungenband durchtrennt werden?“
Und genau hier möchte ich einmal innehalten.
Nicht jedes Zungenband muss sofort durchtrennt werden
Ich bin kein Fan davon, dass jedes auffällige Zungenband automatisch durchtrennt wird. Nicht, weil ich den Eingriff grundsätzlich ablehne, sondern weil es sich dabei immer um einen operativen Eingriff handelt! Das dürfen wir bei dem ganzen Zungenband-Hype der momentan herrscht nicht vergessen!
Eine Frenotomie kann sinnvoll und notwendig sein, gar keine Frage! Aber sie sollte nicht der erste Schritt, sondern eine wohlüberlegte Entscheidung sein.
In meiner Arbeit geht es deshalb immer darum, zuerst genau hinzuschauen.
Mein Ansatz: zuerst verstehen, dann handeln
Bevor eine Operation in Erwägung gezogen wird, empfehle ich im Rahmen meiner 2-Wochen-Begleitung, zunächst alle konservativen Möglichkeiten auszuschöpfen:
Optimierung des Stillmanagements
Anpassung von Stillpositionen
genaues Hinsehen auf das Saug- und Schluckmuster
funktionelle Unterstützung der Zungenbewegung
individuelle Anpassungen, die sich aus der Beobachtung ergeben
Denn manchmal lässt sich das Stillen deutlich verbessern, ohne dass ein Eingriff notwendig wird.
Und selbst wenn am Ende eine Frenotomie sinnvoll ist, sind diese Schritte oft eine wichtige Vorbereitung, damit sich nach der Durchtrennung wirklich etwas verbessert.
Frenotomie: manchmal notwendig – manchmal vermeidbar
Klar ist auch: Wenn ein Zungenband die Zungenfunktion massiv einschränkt und ein Baby weder an der Brust noch mit der Flasche ausreichend Nahrung zu sich nehmen kann, wenn die Entwicklung gefährdet ist oder die Situation bedrohlich wird – dann führt kein Weg an einer Durchtrennung vorbei.
Darüber braucht man nicht zu diskutieren. Das ist medizinisch dann eindeutig.
Aber: In vielen anderen Fällen lohnt es sich, genau abzuwägen:
Wie stark ist die funktionelle Einschränkung wirklich?
Welche Probleme bestehen aktuell?
Wie wahrscheinlich sind welche Langzeitfolgen, wenn keine Frenotomie erfolgt?
Was hat sich durch Stilloptimierung bereits verändert – und was nicht?
Diese Abwägung machen wir gemeinsamt und ohne Druck.
Die Entscheidung liegt immer bei euch als Eltern
Ganz wichtig: Am Ende liegt die Entscheidung immer bei euch.
Meine Aufgabe ist nicht, euch in eine bestimmte Richtung zu drängen. Meine Aufgabe ist es, euch fundiert zu informieren, euch Zusammenhänge zu erklären und euch zu begleiten, damit ihr eine Entscheidung treffen könnt, die sich für euch richtig anfühlt.
Ehrlich gesagt: Es wird Arbeit sein
Ich möchte hier ganz offen sein. Was ich nicht bin, ist die gute Fee, die mit einem Zauberstab alle Probleme verschwinden lässt.
Wenn wir konservativ arbeiten, bedeutet das:
ihr seid aktiv beteiligt
ihr setzt Dinge im Alltag um
es braucht Zeit, Geduld und manchmal auch Durchhaltevermögen
Ja, das kann anstrengend sein. Aber: Es lohnt sich.
Ich kann euch sinnvolle Tools aus meinem Werkzeugkasten an die Hand geben – die Arbeit selbst liegt aber bei euch.
Warum ich so arbeite – und warum mir das so wichtig ist
Vielleicht noch ein persönlicher Einblick: Das, was ich heute anbiete, ist genau das, was ich mir selbst damals gewünscht hätte.
Ich war selbst oft unsicher. Ich habe mich häufig gefragt, ob Dinge „normal“ sind. Ich habe viel gegoogelt, mir Sorgen gemacht und mich manchmal allein gelassen gefühlt.
Ich hätte mir jemanden gewünscht,
der fachlich ausgebildet ist
der Zusammenhänge erklären kann
der erreichbar ist, wenn Fragen auftauchen
der Orientierung gibt ohne mir seine persönliche Meinung aufzudrängen
Genau das möchte ich heute für dich sein.
Du musst diesen Weg nicht allein gehen
Wenn du unsicher bist, ob eine Frenotomie notwendig ist, wenn du dir wünschst, erst alle Möglichkeiten auszuschöpfen oder wenn du einfach jemanden brauchst, der mit dir gemeinsam hinschaut:
👉 Dann bin ich für dich da.
Mit Wissen, Erfahrung und Einfühlungsvermögen – und ohne Zauberstab, aber mit ehrlicher Begleitung.
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